Bereitschaft der Lebensmittelkonsumenten, menschlichen Urin als Pflanzendünger zu recyceln: Evidenz aus einer multinationalen Umfrage

Quellentrennende Sanitärsysteme bieten die Möglichkeit, im Abwasser enthaltene Nährstoffe als Pflanzendünger zu recyceln. Dadurch können sie die Auswirkungen der Landwirtschaft auf globale Quellen, Senken und Kreisläufe für Stickstoff und Phosphor sowie die damit verbundenen Umweltkosten reduzieren. Es wurde jedoch allgemein angenommen, dass die Menschen zögern würden, die neuen Hygieneverhalten durchzuführen, die für die Implementierung solcher Systeme in der Praxis erforderlich sind. Dennoch haben nur wenige Studien versucht, systematisch Beweise für diese Annahme zu sammeln. Um diese Lücke zu schließen, haben wir 3763 Personen an 20 Universitäten in 16 Ländern mit einem standardisierten Fragebogen befragt. Wir identifizierten und bewerteten systematisch interkulturelle und länderspezifische Erklärungsfaktoren, die stark mit der Bereitschaft der Menschen verbunden waren, Lebensmittel zu konsumieren, die mit menschlichem Urin als Dünger angebaut wurden. Insgesamt befürworteten 68% der Befragten das Recycling von menschlichem Urin, 59% gaben an, urinbefruchtete Lebensmittel zu sich zu nehmen, und nur 11% waren der Ansicht, dass Urin Gesundheitsrisiken birgt, die durch eine Behandlung nicht gemindert werden können. Die meisten Menschen erwarteten nicht, weniger für urinbefruchtete Lebensmittel zu zahlen, aber nur 15% waren bereit, einen Preisaufschlag zu zahlen. Die Verbraucherwahrnehmungen unterschieden sich stark von Land zu Land, und die stärksten prädiktiven Faktoren für die Akzeptanz insgesamt waren kognitive Faktoren (Wahrnehmung von Risiken und Nutzen) und soziale Normen. Die Sensibilisierung und Vertrauensbildung der Verbraucher für die Wirksamkeit neuer Sanitärsysteme durch kognitive und normative Botschaften kann dazu beitragen, die Akzeptanz zu erhöhen. Basierend auf unseren Ergebnissen glauben wir, dass in vielen Ländern die Akzeptanz durch Lebensmittelkonsumenten nicht das größte soziale Hindernis sein wird, um den Kreislauf des menschlichen Urins zu schließen. Dass es jedoch einen potenziellen Markt für urinbefruchtete Lebensmittel gibt, muss anderen Akteuren in der Sanitärdienstleistungskette mitgeteilt werden.

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